Lehrer


 
Vom pflegenden Vater zum NeuroScanBalance Lehrer


Auf der Suche nach Hilfe und Fortschritt für meine Tochter Taiga habe ich viele Therapien und Therapeuten kennengelernt. Viele davon haben Taiga gutgetan und sie in ihrer Entwicklung gefördert. Da Taiga so ein spezielles Kind war, haben sie die gängigen Therapien aber auch schnell an ihre Grenzen gebracht. Oder die Ratschläge der Neurologen und Fachkräfte liefen auf schwere Operationen oder sonstige schwerwiegende Eingriffe in Taigas alltägliches Wohlbefinden hinaus.

Taiga konnte sich wenig bewegen, nicht mal auf die Seite drehen. Wir wussten nicht, ob sie sehen oder hören konnte, ich war mir jedoch sicher, dass sie mich, meine Stimme und mein Gitarrenspiel deutlich wahrnahm. Sie konnte nicht selbst schlucken, musste über eine Sonde ernährt werden, kurzum: Taiga war in allen Bereichen des kindlichen Lebens auf Hilfe angewiesen.

Ihr EEG war sehr auffällig und es wurde ein hohes Potential für epileptische Anfälle festgestellt und medikamentös behandelt. Wenn sie sich aufregte, kam sie in eine starke Spastik, die mit den Jahren stärker und dauerhafter wurde und anfing, Spuren in Taigas Physionomie zu hinterlassen. Sie atmete oft schwer und eng und wir mussten ihr helfen, aus der Atemnot wieder rauszukommen. Für mich als Vater war es am schwierigsten, dass Taiga sehr apathisch schien und keine Neugier auf die Welt um sich herum zeigte. Interaktion war am besten durch Körperkontakt, Berührung, Stimme und Musik möglich und dann reagierte Taiga auch. 

Bei der Recherche zu neuen neurowissenschaftlichen Methoden und Forschung stießen wir bald auf die Anat Baniel Method und als Therapeutin mit ähnlichem Ansatz auf Kerstin Baldischwieler und ihr NeuroScanBalance Institut in Ravensburg. Kerstins Unterricht mit Taiga hat sich vom ersten Tag an gut für Taiga angefühlt und wir waren erstaunt darüber, was Taiga alles lernen konnte, wenn man wusste, wie man mit einem Kind kommuniziert, das nur sehr rudimentär kommunizieren kann. Wir hatten endlich eine langfristige Therapie gefunden, mit der wir Eltern und vor allem auch Taiga glücklich und produktiv waren.


Im Laufe der Jahre habe ich Taiga bei sehr vielen Lessons begleitet und mit zunehmendem Wissen wuchs meine Begeisterung für die Methode. Ich merkte, wie auch ich damit anfing, die Grundsätze von NeuroScanBalance in meinen Umgang mit Taiga und meinen Umgang mit mir selbst zu integrieren. Da der viele Unterricht und die damit verbundenen Fahrten und Übernachtungen in Ferienwohnungen viel Zeit und Geld in Anspruch nahmen, entschloss ich mich dazu, selbst die Ausbildung zum NeuroScanBalance Lehrer zu machen, vor allem, um Taiga selbst unterrichten zu können. Mit zunehmender Körpergröße wurde es für Taiga immer schwieriger, über 3 Stunden vom Chiemsee nach Ravensburg zu reisen.

Durch den intensiven Unterricht zu Hause gingen Taigas Spastiken deutlich zurück und mussten im Normalfall nicht weiter behandelt werden, auch ihre Wirbelsäule wies eine deutlich geringere Skoliose auf, als zu erwarten gewesen wäre. Taigas Hüfte war unproblematisch und sie war insgesamt oft zufrieden und schmerzfrei, ohne Schmerzmittel nehmen zu müssen. Ein ständiges Epilepsie- Potenzial war weiterhin vorhanden und wurde vorsorglich mit Antiepileptika behandelt, es gab aber fast keine Anfälle, zumindest keine die wir Eltern oder die Ärzte hätten feststellen können.  

Die Ausbildung zum NeuroScanBalance Lehrer hatte auch auf meine Gesundheit positive Auswirkungen. Ich bin seit 1988 leidenschaftlicher Skateboardfahrer und habe meinen Körper einer chronischen und extremen einseitigen Belastung ausgesetzt, von den zahlreichen Verletzungen ganz zu schweigen. Außerdem spiele ich fast ebenso lange Gitarre, was ebenso einer chronischen und einseitigen körperlichen Belastung entspricht, wenn man ein gewisses Level erreichen möchte. Dementsprechend wies mein Körper gravierende Verschleißerscheinungen auf, die sich in täglichen Wehwehchen äußerten. Durch die NeuroScanBalance Ausbildung lernte ich meinen Körper neu kennen und mir wurde zum ersten Mal bewusst, was ich eigentlich mit ihm so anstellte. Als Mensch, der sich immer eingebildet hat, seinen Körper besser als der Durchschnitt kontrollieren zu können, musste ich feststellen, dass ich ganze Körperregionen und Funktionsketten überhaupt nicht wahrnahm und infolgedessen „falsch“ einsetzte, was zu Funktionsstörungen im Bewegungsapparat geführt hat.

Heute bin ich Mitte 40 und beschwerdefrei, solange ich in Bewegung bleibe. Ich jogge 3 mal die Woche ca. 10 km in Laufschuhen ohne Dämpfung und meinen Knien geht’s wunderbar, genau wie meinem Rücken. Ich spüre mich physisch und psychisch sehr genau und differenziert und kann auf dieser Grundlage bessere Entscheidungen für mich treffen. 


Ich habe Taiga bis zu ihrem unerwarteten Tod im Mai 2025 regelmäßig unterrichtet und damit nicht nur aktiv zu ihrem Wohlbefinden und der Entwicklung und Erhalt ihrer Fähigkeiten beigetragen, sondern auch ein gemeinsames Hobby mit meiner Tochter gehabt. Die Lessons waren der Raum für Spiel, Neugierde, Aufregung, Mut, Anstrengung und Meistern ihres Körpers und seiner Funktionen. Das, was Eltern mit durchschnittlich entwickelten Kindern auf dem Sportplatz oder Spielplatz erleben. Heute begreife ich, dass mein Beruf als NeuroScanBalance Lehrer ein Geschenk von Taiga an mich und die Welt ist. Indem ich diesen Weg für sie eingeschlagen habe, hat Taiga mich auf meinen Weg geführt und bis heute hat sie somit bereits zahlreichen anderen Kindern einen Weg zur Entfaltung ihres Potentials freigelegt.